Deine Seele - Meine Seele


Was hat (m)ein Hund eigentlich mit meiner Persönlichkeit zu tun?

Das ist eine gute Frage. Und wenn ihr diese einem klassischen Hundetrainer stellt, so wird dieser auch einfach sagen: NICHTS. Aus Sicht der momentan überwiegend praktizierenden Hundetrainer muss ein Hund durch positive Verstärkung und konsequente Erziehung dazu gebracht werden, dass er "funktioniert", also tut was er tun soll und unterlässt, was nicht gewünscht ist.

Aber mal ganz ehrlich: Haben wir uns dafür einen Hund geholt? Um ein abgerichtetes Etwas mit schön Fell drumrum zu haben?

ABER werdet ihr sagen: Der Hund muss doch gehorchen, sonst fällt er andere Hunde an, oder geht jagen oder spingt an fremden Spaziergängern hoch ... und ... und ...

JA sage ich. Natürlich darf er das alles nicht, der hündische Partner an meiner Seite. Aber dafür gibt es einen anderen Weg - und für den kommt man an der Betrachtung der eigenen Persönlichkeit nicht herum:

Wir haben uns den Hund in eine menschliche (oft sogar städtische) Welt geholt. Deshalb tragen wir die Verantwortung dafür, dass der Hund in dieser menschlichen Welt ein Leben als Hund führen kann. Wenn ich dieser Verantwortung gerecht werden will, so beginne ich mich für das Wesen in meinem Gegenüber zu interessieren. Einen Hund z.B. macht aus, wie alt er ist, welches Geschlecht er hat, welcher Rasse er zugehörig ist, welche Vorerfahrungen er gemacht hat, und welche individuellen Begabungen er mitbringt. Dafür brauche ich Zeit, Geduld und die Möglichkeit, mich ihm zu öffnen.

Der Hund bringt diese drei Dinge in unendlichem Ausmaß mit: Zeit, Geduld und Offenheit.

Wenn es also hakt, dann liegt es wohl ...

Dazu ein Beispiel: Eine Halterin hat Schwierigkeiten mit ihrer 3 Jahre alten Podenko-Mischlingshündin aus dem Tierschutz, die bis zu ihrem ersten Lebensjahr frei auf einer griechischen Insel lebte. Vieles hat sie mit ihrer Hündin schon erarbeitet, aber eine Sache will und will sich nicht verbessern: in freiem, aber bekannten Gelände macht sich die Hündin immer wieder vom Acker, ist zu weit weg, verschwindet im Wald oder massregelt andere Hunde ohne erkennbaren Grund. Die Halterin vermutet, dass die Hündin den Kontakt zu ihr abbricht und bittet mich, nach dem Grund zu suchen. Bislang behalf sie sich in solchen Situationen immer damit, ein Futterdummy zu werfen, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit der Hündin noch rechtzeitig zu erwischen.

Meine Beobachtung war: Die Hündin fühlt sich in bekannten, aber weitläufigem Gebiet sicher und frei. Dadurch wendet sie jene Fähigkeiten und Ressourcen an, die sie in ihren jungen Jahren auf der griechischen Insel entwickeln konnte, bzw. die in ihr durch den Podenko-Anteil angelegt sind. z.B. Selbstständigkeit, Wahrnehmung, Situationseinschätzung, Umgebungskontrolle usw. Währenddessen versucht sie immer wieder, den Kontakt aufrecht zu erhalten und ihre Halterin in ihre Handlungen einzubeziehen: 1. durch Blickkontakt, 2. durch auf die Halterin zukommen und auf halber Strecke stehen bleiben usw. Doch diese geht nicht darauf ein. Es fehlt ihr die Offenheit zu erkennen, dass der Hund nur tut, was er aus tiefstem Herzen kann und wie sehr er daran interessiert ist, sie in seinem Tun mitzunehmen. Stattdessen bricht die Halterin durch das Werfen des Futterdummies den Kontakt zur Seele ihres Hundes ab.

Das war nicht der Wunsch der Halterin - Kontaktabbruch von ihrer Seite, und es war ihr nicht bewusst.

Phänomene wie fehlende Offenheit berühren unsere Persönlichkeitsstruktur. Hunde fragen geduldig immer wieder nach - und das ist das Potential, das in der wunderbaren Beziehung zwischen Mensch und Hund zu finden ist.

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